09.06.2026
Trotz der Unsicherheit über ein Ende des Konflikts im Mittleren Osten zeigen die Aktienmärkte weiterhin ein bemerkenswert hohes Vertrauen in dessen vorübergehende Natur. Präsident Donald Trump ist sich bewusst, dass dieses Thema bei seiner Wählerbasis nicht gut ankommt und mit Blick auf die Zwischenwahlen im November an Gewicht gewinnen wird. Allerdings gibt es auch eher technische, weniger geopolitische Faktoren, die eine positive Haltung der Investoren rechtfertigen.
Technologie und Finanzwerte zählen derzeit zu den dominierenden Sektoren der globalen Aktienmärkte und sind vergleichsweise weit vom Epizentrum der Energiekrise entfernt, sodass sie entsprechende Schocks besser verkraften können – insbesondere, wenn diese nur vorübergehend sind. Zudem weisen die wichtigsten Aktienindizes weiterhin eine hohe Konzentration auf wenige Titel auf, deren Ergebnisse einen überproportionalen Einfluss auf die Gesamtmärkte und die Stimmung haben.
In der jüngsten Berichtssaison fielen die Unternehmensergebnisse überwiegend positiv oder besser als erwartet aus. Darüber hinaus sind große börsennotierte Unternehmen stark global ausgerichtet und erzielen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze außerhalb Europas, wodurch sie weniger anfällig für eine Abschwächung der heimischen Konjunktur sind. Diese Faktoren machen die Aktienmärkte widerstandsfähiger gegenüber makroökonomischen Einflüssen, erhöhen jedoch zugleich die Abhängigkeit von unternehmensspezifischen Entwicklungen.
Insgesamt behalten wir einen konstruktiven Ausblick für Aktien bei, mit einer besonders positiven Einschätzung für Schwellenmärkte. Der Anleihemarkt hingegen bleibt stark von makroökonomischen Faktoren wie Wachstum und Inflation geprägt, da diese die Geldpolitik bestimmen. Vor diesem Hintergrund bleiben wir bei Staatsanleihen aus Industrieländern vorsichtig, insbesondere angesichts synchroner fiskalischer Expansion, da steigende Sorgen um die Schuldentragfähigkeit das Renditeniveau am langen Ende der Zinskurve beeinflussen könnten.
