Marktanalyse

24.04.2026

Bis jetzt hat der Markt wenig auf den Iran-Krieg reagiert und eine klare Bereitschaft signalisiert, über den Konflikt hinauszublicken. Einer der größten Energieschocks der jüngeren Geschichte führte nur zu einem geringen Rückschlag der Aktienmärkte, von dem sich viele Indizes inzwischen größtenteils, wenn nicht vollständig, erholt haben. Die Einschätzung, dass es sich um einen zeitlich begrenzten Schock für die Risikobereitschaft handeln würde, wurde durch die Öl-Futures-Kurve untermauert, die weiterhin in Backwardation verblieb und damit Erwartungen fallender Preise signalisierte. Gleichzeitig haben sich die Gewinnerwartungen weiter verbessert, und die Zuversicht in die Unternehmensgewinne hat die Sorgen über hohe Bewertungen abgemildert.
Trotz dieser Marktresilienz wird die Iran-Krise dauerhaften Folgen haben. Die erhebliche Zerstörung von Energie- und Transportinfrastruktur in der gesamten Golfregion könnte Jahre für den Wiederaufbau benötigen. Der Konflikt hat die Debatte über die Verlässlichkeit der USA als Sicherheitsgarant sowie über die zukünftige Rolle des US-Dollars weiter verschärft. Die aktuelle Krise unterstreicht den Handlungsbedarf, Energieversorgungssicherheit, finanzielle Abhängigkeiten und die geopolitische Positionierung neu zu bewerten.
Die Risiken in den Fixed-Income-Märkten, insbesondere bei US-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, sollten nicht unterschätzt werden, während Aktieninvestoren zunehmend mit einer fragmentierten globalen Landschaft konfrontiert sind. Die Krisen des vergangenen Jahrzehnts haben gezeigt, dass Lieferketten verstärkt auf Resilienz statt auf Effizienz ausgerichtet werden, was Trends wie Nearshoring und Onshoring beschleunigt. Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass das Argument für eine breitere regionale Diversifikation an Gewicht gewonnen hat. Das traditionelle Portfoliomodell, das von US- und europäischen Aktien dominiert wird und Schwellenländer nur marginal berücksichtigt, dürfte zunehmend durch eine ausgewogenere geografische Allokation abgelöst werden. Entsprechend bleiben wir untergewichtet in Staatsanleihen entwickelter Märkte und übergewichtet in Aktien und Staatsanleihen der Schwellenländer.