28.01.2026
Seit der Veröffentlichung von The Compass 2026 Anfang Dezember – in dem wir einen besonderen Akzent auf Anlagen in den Schwellenländern (Emerging Markets, EM) gelegt haben – hat der MSCI-EM-Index in US-Dollar eine bemerkenswerte Rendite von fast 10% erzielt. Zum Vergleich: Europäische und pazifische Aktienmärkte legten um rund 7% bzw. 6% zu, während nordamerikanische Märkte mit einer moderaten Rendite von unter 2% deutlich zurückblieben. Rund zwei Drittel der EM-Performance wurden erst in diesem Jahr generiert. Die relative Schwäche der US-Assets beschränkt sich dabei nicht auf Aktien. Laut Bloomberg-Anleiheindizes verzeichneten US-Staatsanleihen seit Anfang Dezember einen Gesamtertragsverlust von 11 Basispunkten, während Staatsanleihen der Eurozone (EGBs) einen positiven Total Return von 9 Basispunkten erzielten. Gleichzeitig wertete der Euro um 1,15% auf. Der klare Performance-Gewinner war jedoch Gold: Der Preis legte in US-Dollar um mehr als 17% zu und überschritt die Marke von 5.000USD je Feinunze.
Dieses Marktumfeld wurde maßgeblich von geopolitischen Ereignissen geprägt: der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, der überraschenden Drohung von US-Präsident Donald Trump, Grönland zu annektieren, sowie dem bemerkenswerten Weltwirtschaftsforum in Davos. Besonders bedeutsam – auch aus Anlage- und Asset-Allokations-Sicht – war die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney. Er kritisierte eine „extreme globale Integration“ als ökonomische Verwundbarkeit und als Treiber politischer „Unterordnung“ von Mittelmächten gegenüber Großmächten.
Während in Europa Forderungen nach der Reduzierung China-bezogener Risiken seit Langem vertraut sind, wäre die Anwendung ähnlicher Überlegungen auf die USA ein konzeptioneller Paradigmenwechsel – mit potenziell weitreichenden ökonomischen und marktbezogenen Folgen. Auch wenn die konkreten Auswirkungen eines solchen Schritts noch unklar sind – und für europäische wie US-Assets gleichermaßen Chancen und Risiken mit sich bringen dürften, abhängig etwa von Geschäftsmodellen einzelner Unternehmen –, zeichnet sich eine Schlussfolgerung bereits ab: In einem Umfeld potenziell tiefgreifender struktureller Veränderungen in den transatlantischen Beziehungen gewinnt das Argument für eine breitere globale Diversifizierung an Gewicht.
Das spricht für einen stärkeren Fokus auf Anlagen jenseits Europas und der USA – und stützt damit unsere zentrale Investmentbotschaft für 2026: EM-Assets bleiben übergewichtet.
